Nach einer Brustoperation stellen sich Fragen, die im Klinikalltag oft offenbleiben: Wann ist der richtige Zeitpunkt für die erste Versorgung? Wie sitzt eine Brustprothese sicher – auch beim Sport oder im Schwimmbad? Und welche Kosten übernimmt die Krankenkasse? Nachfolgend erläutern wir den Ablauf einer Epithesenversorgung von der Erstversorgung bis zur dauerhaften Prothese.
Erstversorgung, Zwischenlösung, Dauerversorgung: der zeitliche Ablauf
Unmittelbar nach der Operation ist das Gewebe empfindlich und verändert sich über Wochen, während die Schwellung zurückgeht. Die Versorgung beginnt deshalb in der Regel mit einer leichten Erstprothese aus weichem Material, häufig bereits in der Klinik. Sie gleicht die Form aus, ohne Druck auf die frische Narbe auszuüben.
Die dauerhafte Versorgung mit einer Silikon-Brustprothese folgt, wenn die Wundheilung abgeschlossen ist und eine gegebenenfalls anstehende Bestrahlung beendet wurde. Der Zeitraum reicht je nach Verlauf von einigen Wochen bis zu mehreren Monaten. Den geeigneten Zeitpunkt legen wir gemeinsam mit Ihnen und der behandelnden Ärztin oder dem behandelnden Arzt fest.
Auch die dauerhafte Versorgung ist keine einmalige Angelegenheit: Gewicht, Gewebe und Körperform verändern sich im Lauf der Zeit. Sitzt die Epithese nicht mehr korrekt, passen wir sie nach oder versorgen neu.
Haftprothese oder Prothese im Spezial-BH
Für das Tragen einer Brustepithese gibt es zwei grundsätzliche Wege.
Die Versorgung im Prothesen-BH. Der BH verfügt über eingearbeitete Taschen, in denen die Prothese fixiert wird. Diese Variante ist unkompliziert in der Handhabung, verzeiht Hautveränderungen und eignet sich besonders in der Zeit direkt nach der Operation sowie bei empfindlicher oder bestrahlter Haut.
Die Haftprothese auf der Haut. Die Prothese wird über eine Haftfläche oder ein Klebesystem direkt am Brustkorb getragen und bewegt sich mit dem Körper mit. Sie ermöglicht auch das Tragen von Kleidung mit tiefem Ausschnitt sowie von herkömmlicher Unterwäsche. Voraussetzung ist eine belastbare, reizfreie Haut.
Welche Variante geeignet ist, hängt von Narbenverlauf, Hautbeschaffenheit und den Anforderungen Ihres Alltags ab. Beide Systeme können Sie bei uns im Rahmen der Anpassung vergleichen.
Sitz bei Sport, im Schwimmbad und in der Sauna
Für die meisten Aktivitäten stehen angepasste Lösungen zur Verfügung. Für Bewegung und Sport gibt es gewichtsreduzierte Prothesen sowie Sport-BHs mit Prothesentaschen. Für das Schwimmbad eignen sich chlorbeständige Modelle, die auch in nassem Zustand formstabil bleiben.
Bei hohen Temperaturen, etwa in der Sauna, ist die Haftverbindung stärker beansprucht; hier ist die Versorgung im BH meist die praktikablere Wahl. Nennen Sie uns Ihre tatsächlichen Aktivitäten – wir richten die Versorgung danach aus.
Pflege und Aufbewahrung
Eine Silikonprothese ist langlebig, reagiert aber empfindlich auf Hitze, spitze Gegenstände und aggressive Reinigungsmittel. Drei Punkte sind für die Haltbarkeit entscheidend:
- Tägliche Reinigung mit lauwarmem Wasser und milder Seife, anschließend vollständig trocknen lassen. Bei Haftprothesen erhält dies die Klebekraft am längsten.
- Aufbewahrung in der mitgelieferten Formschale. Sie schützt vor Druckstellen und Materialermüdung, auch auf Reisen.
- Vorsicht mit Ringen und langen Fingernägeln beim Anlegen. Beschädigungen entstehen überwiegend beim täglichen Handling, nicht im Gebrauch.
Prothesen-BHs sollten schonend gewaschen werden, damit die Taschen ihre Form behalten.
Verordnung und Kostenübernahme
Brustepithesen und Prothesen-BHs zählen zu den Hilfsmitteln. Bei ärztlicher Verordnung übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen die Versorgung im Rahmen der jeweils geltenden Verträge; für Sie verbleibt in der Regel die gesetzliche Zuzahlung. Für den regelmäßigen Ersatz besteht ein Anspruch, dessen Intervalle sich je nach Krankenkasse unterscheiden.
Bringen Sie Ihre Verordnung mit: Wir klären die Kostenübernahme mit Ihrer Krankenkasse und nennen Ihnen vorab einen eventuell anfallenden Eigenanteil.


